Chronik und Eindrücke über das Erscheinen der Antifaschistischen Nachrichten

31 Jahre Antifaschistische Nachrichten

Diejenigen Leserinnen und Leser, die diese Chronik lesen, werden sehen, dass die Antifa-Nachrichten immer wieder sehr früh über das Erstarken des Rechtsextremismus und Rechtspopulismus berichtet haben. Wir haben 1985 begonnen, als Antifaschismus ein eher „linkes“ Thema war. Das ist heute völlig anders. Viele Menschen engagieren sich gegen Rechts und gegen Rassismus. Dazu haben wir einen kleinen Beitrag geleistet.
Ulrike Bach, Jörg Detjen

Januar 1985: Die erste Ausgabe der Antifaschistischen Nachrichten erscheint. Das Heft „soll dazu beitragen, den Überblick über die Tätigkeit faschistischer Organisationen und der Zusammenarbeit zwischen Reaktion und Faschisten zu erleichtern.“ Vorrausgegangen war eine engere Zusammenarbeit zweier kommunistischer Gruppen im Rahmen der Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg.
Das zweite Heft enthält bereits 87 Meldungen über viele Aktivitäten vor Ort und wenige Artikel auf insgesamt 16 Seiten, das ist der Umfang, den wir bis 2016 beibehalten haben. Das Heft wird in einer kleinen Auflage fotokopiert.
Juni 1987: Im dritten Jahr ihres Erscheinens werden die AN auf Fotosatz umgestellt. Schönhuber und seine „Republikaner“ werden immer stärker. Seit 1988 verstärken die AN die Kritik an den „Republikanern“. Auch die Kritik an den Vertriebenenverbänden wird in der Zeitung geführt, unter dem Titel „Ostritt“ gibt es dazu viele Jahre eine eigene Rubrik.
Januar 1989: Die DVU zieht in die Bremer Bürgerschaft ein und die „Republikaner“ ziehen mit 7,5 % ins Westberliner Abgeordnetenhaus. Der Rechtsextremismus erstarkt weiter. Das Thema Entschädigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und die Kritik an der Repression gegenüber den Kurden findet im Heft seinen Widerhall.
Juli 1989: Die AN werden jetzt gedruckt und die Qualität verbessert.
November 1989: „Nie wieder Großdeutschland“, „Nie wieder Faschismus und Krieg“ titeln die Antifaschistischen Nachrichten.
Mai 1990 erscheint eine detaillierte Kritik am neuen REP-Programm als eigene Broschüre. Das Thema Sinti und Roma und die Kritik an der Türkei werden in den Heften immer wieder aufgegriffen. Das Thema Wahlrecht für Ausländer bekommt eine größere Bedeutung.
Februar 1991: Titel: Stoppt den Krieg am Golf. 200.000 demonstrieren in Bonn.
Dezember 1991: Seit zwei Jahren berichtet das Heft, das nun im Eigendruck mit zweifarbigem, blauem Titel erscheint, immer wieder über gewalttätige Anschläge und Überfälle von Rechtsextremisten. Die Zusammenarbeit mit der VVN-BdA wird enger. In der Ausgabe 13/1992 dokumentiert das Heft einen VVN-BdA NRW Beschluss: „Antifaschismus als kommunale Aufgabe“.
August 1992: Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und Mölln. 100 000 demonstrieren im November gegen die Verschärfung des Asylrechtes, 100 000 gegen Rassismus und Neofaschismus in Köln beim Arsch huh-Konzert.
Februar 1993: Neuer breiterer Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten. Neue Rubrik: Aus der faschistischen Presse. In den folgenden Jahren steigt die Auflage auf ca. 900 Stück pro Ausgabe.
Juni 1993: Anschlag in Solingen
Februar 1994: Jahrestagung der Antifaschistischen Nachrichten in Leipzig, um die Kontakte zu den neuen Bundesländern zu erweitern. Eine solche Jahrestagung zu einem aktuellen Thema findet dann bis 2016 jedes Jahr statt, zumeist in Köln.

Bis heute schreibt Bernard Schmid regelmäßig aus Paris und bereichert das Heft damit ungemein.
März 1996: Das Layout der Antifa-Nachrichten wird verbessert.
November 1997: Jahrestagung der Antifa-Nachrichten u.a. mit der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke zum Thema „Europäische Innenpolitik“.
April 1999: Titel: NEIN zum Nato-Angriff auf Jugoslawien.
In Köln wird ein Nazi-Aufmarsch mattgesetzt. 3000 Gegendemonstranten blockieren stundenlang erfolgreich. Der Vorgang findet in der Szene bundesweite Beachtung.
Juni 2000: Titel: „Brutaler Naziüberfall in Dessau. Mozambikaner erlag seinen Verletzungen.“ Unterstützung der Kampagne für ein Verbot der NPD.
Januar 2001: Ausführlicher Bericht über die jährlichen Anfragen der damaligen PDS-Abgeordneten Ulla Jelpke über Straftaten Rechtsextremer. Bundesinnenminister vertuscht die Vorgänge.
Mai 2001: Die Antifa-Nachrichten berichten über viele Jahre immer wieder über die Konflikte bei der Entschädigung der ZwangsarbeiterInnen und die Bildung des Entschädigungsfonds.
Ende 2001: Die Schill-Partei zieht in die Hamburger Bürgerschaft ein und stellt den Innensenator. Rechtspopulismus wird hoffähig gemacht.
Dezember 2001: Neue Internetseite: www.antifaschistische-nachrichten.de
Februar 2002: Das NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht platzt. Das Gericht beanstandet den Einsatz von V-Leuten auf Führungsebenen, es sei nicht klar, wem Taten zuzurechnen seien, das würde zu einem falschen Bild führen.
April 2002: Die Antifa-Nachrichten titeln: „Jean-Marie Le Pen in der Stichwahl“. Zum ersten Mal kandidiert Le Pen zu den französischen Präsidentschaftswahlen und erhält 17,8 %.
Juni 2002: Titel: „Antifaschisten warnen vor einem neuen Antisemitismus“
November 2002: „Verwendung von ,Ruhm und Ehre der Waffen-SS‘ bald strafbar?“ fragen die Antifa-Nachrichten. Es wird später tatsächlich unter Strafe gestellt.
Januar 2003: 70. Jahrestag der Machtübertragung an Hitler. Ausführliche Berichterstattung über die vielen Aktivitäten dazu.
Februar 2003: 500 000 Menschen demonstrieren in Berlin gegen den Irak-Krieg.
August 2003: Das Bundesverfassungsgericht ermöglicht einen Aufmarsch von 2600 Rechten in Wunsiedel zum Gedenken an den Hitlerstellvertreter Heß.
März 2004: „Kopftuch-Verbotsgesetz definitiv verabschiedet“ berichten die Antifa-Nachrichten aus Frankreich und über das weitere Erstarken von Le Pen.
August 2004: Titel: „Verfassungsschutzagent lieferte Nazis Anschlagsziele“
Dezember 2004: Jetzt schon seit einigen Jahren setzen sich die Antifa-Nachrichten immer wieder mit der extrem rechten Zeitung „Junge Freiheit“ auseinander.
September 2005: Bundestagswahlen. Titel: „Hartz IV-Parteien ohne Mehrheit – Linkspartei mit starker Fraktion im Bundestag – NPD sichert sich mit 1,6 % Wahlkampfkostenerstattung.
Februar 2007: Neue Kampagne der VVN-BdA zum „NPD-Verbot jetzt!“
Juni 2007: „pro Köln“ scheitert mit einem Bürgerbegehren gegen den Bau einer Moschee in Köln nach jahrelangen Hasstiraden.
September 2007: Der GNN Verlag zieht in Köln um und hat jetzt bessere Räumlichkeiten.
Dezember 2007: Titel: „Verhallen mehr als 175 000 Stimmen zum NPD-Verbot ungehört?“
Januar 2008: Der „Zug der Erinnerung“, eine Ausstellung in Eisenbahnwaggons über die Deportationen der Reichsbahn in der NS-Zeit, stößt bundesweit auf großes Interesse.
Februar 2008: Jahrestagung der Antifa-Nachrichten zum Thema: „Politische Strategien gegen die extreme Rechte in Parlamenten“.
September 2008: 50 000 Kölnerinnen und Köln verhindern die Durchführung eines Anti-Islam-Kongresses.
Oktober 2008: Titel: „Österreich – Extreme Rechte fast 30 Prozent.“
Januar 2009: 25 Jahre Antifa-Nachrichten wieder mit einem Register nach Themen, Organisationen und Personen.
Juni 2009: Europawahl: „Europas Rechtsparteien auf dem Vormarsch.“ Extreme Rechte bilden erste Fraktion im Europaparlament.
Februar 2011: Seit Jahren demonstrieren Nazis immer wieder am Jahrestag der Bombardierung Dresdens im 2. Weltkrieg. Aber auch die Protestaktionen dagegen nehmen zu.
Mai 2011: Neuer Internetauftritt der Antifa-Nachrichten. Die Zugriffe auf die Seite sind hoch, die Zeitung wird als pdf zum Download zur Verfügung gestellt, aber auch die einzelnen Texte stehen im Netz. Zunehmend Berichte über die Fluchtbewegung aus Afrika über Lampedusa nach Europa von unserem Redakteur aus Paris.
Juli 2011: Der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik bringt 77 Menschen um.
November 2011: Der gesamte Terror der NSU in den letzten 13 Jahren wird bekannt. Ungeheuerlich, was dann in den nächsten Monaten bekannt wird. Das Heft verfolgt die Entwicklung genau.
Januar 2012: Offener Brief des Auschwitz-Komitees an die Regierenden.
Juli 2012: Titel: „Schreddern, Leugnen, Lügen? Untersuchungsausschuss bringt immer neue Ermittlungen ans Licht“.
Anfang 2013: Gründung der AfD. Bei der Bundestagswahl erhalten sie aus dem Stand 4,7 % und verpassen den Einzug in den Bundestag knapp.
April 2013: Jahrestagung der Antifa-Nachrichten zum Thema „NSU-Morde – blinder Staat – deutsche Zustände“ mit Petra Pau.
Mai 2013: Der NSU-Prozess beginnt in München. Tausende demonstrieren.
Mai 2014: Bei den Europawahlen ziehen 145 rechtslastige Abgeordnete ins Parlament. Die AfD erhält 7,1 % und 7 Sitze. Sogar die NPD, gegen die erneut ein Verbotsverfahren läuft, bekommt einen Sitz.
Oktober 2014: In Dresden beginnen die wöchentlichen Demonstrationen von Pegida mit klaren rassistischen Motiven, oft bis zu 10 000 Anhängern. 3000 HogeSa-Anhänger randalieren in Köln und bedrohen Menschen.
Ende 2014: Der IS trägt seinen Terror nach Europa … das führt zum weiteren Erstarken extrem rechter Kräfte.
Mai 2015: Titel: „Rechtsruck in der AfD – Lucke verliert seine Basis“
Juli 2015: Artikel: „150 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im ersten Halbjahr 2015“.
August 2015: Interview mit Petra Pau, MdB über die aktuelle Lage in der Flüchtlingspolitik.
Dezember 2015: Titel: „Knapp 28 Prozent für den FN. Die extreme Rechte wird stärkste Partei und könnte unter Umständen Regionalregierungen übernehmen.“
Februar 2016: Titel: „Asylpaket II noch weiter verschärft.“
März 2016: Dramatische Wahlsiege der AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.
April 2016: Der Herausgabekreis der Antifa-Nachrichten beschließt das Einstellen des Heftes zum Ende des Jahres. Die alten Ausgaben werden weiterhin auf der Internetplattform zugänglich sein.
Oktober 2016: Das letzte Heft erscheint am 13.10.2016.


Redaktion und Verlag sagen Danke allen unseren Leserinnen und Lesern!

Und ein großer Dank geht an all die Autorinnen und Autoren und vielen antifaschistischen Gruppen, die das Heft durch ihre Beiträge über viele Jahre bereichert haben.


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