: antifaschistische nachrichten
Die Internationalen Wochen gegen Rassismus finden in diesem Jahr vom 15. bis zum 28. März in ganz Deutschland statt. Zahlreiche Organisationen und Einrichtungen engagieren sich in dieser Zeit für Verständnis und Toleranz unter den Menschen, ganz gleich welcher Herkunft.
Der UN-Gedenktag erinnert an den 21. März 1960, an das Massaker von Sharpeville. Am Vormittag des 21. März 1960 fanden sich an verschiedenen Orten der kleinen Stadt 50 km südlich von Johannesburg rund 20.000 Menschen zusammen. Sie folgten einem Aufruf des Pan African Congress (PAC), der eine fünftägige gewaltfreie und friedliche Protestaktion angekündigt hatte. Die Menschen demonstrierten gegen die Passgesetze des Apartheid-Regimes. Diese Gesetze sahen die scharfe Trennung von Wohn- und Geschäftsbezirken für Weiße, Schwarze und Inder vor. Drei bis vier Millionen Afrikaner wurden zwangsumgesiedelt, weil sie in den für die Weißen vorgesehenen Gebieten lebten. So wurde versucht, Menschen auf Dauer voneinander zu trennen. Die Schwarzen lebten in weit von den weißen Vierteln entfernten «Townships». Doch ohne die schwarzen Arbeitskräfte wäre die Wirtschaft des weißen Südafrikas schnell zusammengebrochen. Passgesetze regelten das «Aufenthaltsrecht» der schwarzen Südafrikaner, die Anzahl der Schwarzen in den Städten sollte so auf ein Minimum beschränkt werden, ihre Arbeitskraft aber weiter zur Verfügung stehen. Die Demonstrierenden setzten sich in Richtung Polizeistation im Sharpeviller Zentrum in Bewegung. Die Polizei hielt die friedlich demonstrierende Menge mit niedrig fliegenden Flugzeugen und Tränengas in Schach. Um kurz nach 13 Uhr eskalierte dann schließlich die Situation: Angeblich als Reaktion auf Steinwerfer schoss die Polizei in die Menge. Die Menschen flohen in Panik, die Polizei schoss weiter. 69 Menschen wurden getötet, darunter acht Frauen und zehn Kinder. Viele - die Angaben variieren von 180 bis über 300 Personen - wurden verletzt, teilweise schwer.
Als Gedenktag an das Massaker von Sharpeville wurde sechs Jahre später, 1966, der 21. März von den Vereinten Nationen zum «Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung» ausgerufen. 1979 wurde dieser Gedenktag durch die Einladung der Vereinten Nationen an ihre Mitgliedstaaten ergänzt, eine alljährliche Aktionswoche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus zu organisieren. 1996 wurde schließlich von Nelson Mandela in Sharpeville die neue demokratische Verfassung Südafrikas in Gang gesetzt. Der 21. März wird seither in Südafrika als South Afrikan Human Rights Day, als «Südafrikanischer Tag der Menschenrechte» begangen.
An die sechzig bundesweit agierende Organisationen und Einrichtungen veranstalten vom 15. bis zum 28. März Diskussionen, Feste, Begegnungen und Sportveranstaltungen.
Dass diese Wochen notwendig sind, zeigt eine im vergangenen Jahr durchgeführte Umfrage des Emnid-Instituts. Mit 51 Prozent gab rund die Hälfte der Deutschen an, dass ein Großteil der arabischen und türkischen Einwanderer ihrer Einschätzung nach «weder integrationswillig noch integrationsfähig» sind. Ein Slogan auf Plakaten und Postkarten, die auf die Interkulturellen Wochen aufmerksam machen, lautet daher auch «Bart.Gläubig.Anschlag.». Die Provokation soll zum Nachdenken anregen über Klischees und Einstellungen, die oft unhinterfragt übernommen werden.
Mehr Infos und alle Veranstaltungen: http://www.internationale-wochen-gegen-rassismus.de/