: antifaschistische nachrichten

Nummer 16 / 2007

Der «Holocaust an den Tieren» und die Deutschen in «Sippenhaftung»

Nienburg. Andreas Popp ist ein ehrenwerter Mann: Als ehemaliger Vorstandsvorsitzender und jetziger Aufsichtsratschef der Popp AG herrscht er von Nienburg aus über den zweitgrößten Edelmetallbestand der Bundesrepublik (nach der Deutschen Bundesbank). Der umfasst rund 40 Tonnen Gold, Silber, Platin und Palladium in Barrenform. Die Popp AG gilt als deutscher Marktführer für Investmentfonds in physische Edelmetalle.

Andreas Popp ist ein ehrenwerter Mann: Als «Dozent für Makrookönomie» warnt er eindringlich vor der nächsten großen Weltwirtschaftskrise und will, dass möglichst viele Menschen sie unbeschadet überstehen.

Allerdings: Manche der Ansichten und Kontakte des 46-Jährigen sind einfach nur stramm rechts - und ganz und gar nicht ehrenwert.

Nach Popps Auffassung - und mit dieser steht er nicht alleine - ist eine weltweite Währungsreform unausweichlich. Die Parallelen zur Weltwirtschaftskrise 1929 seien verblüffend, meint er. Seit Jahrzehnten gebe es keine Sachwerthinterlegung des Geldes in Form des Goldstandards mehr: «Jeder Geldschein ist somit wertlos, ist nur ein bedruckter Zettel.» Schlimm: Die Geldmengenpolitik erscheine völlig unkontrolliert. Und im Grunde genommen existiere weltweit nur noch eine Währung, in Form des US-Dollars.

Als «Zeugen» für die bevorstehende Weltwirtschaftskrise benennt Andreas Popp unter anderem den Wissenschaftler Bernd-Thomas Ramb, den früheren stellvertretenden Bundesvorsitzenden des nationalliberalen «Bundes Freier Bürger».

2005 erstellte Ramb im Auftrag der ultrarechten «Deutschen Konservativen» ein Dossier mit dem Titel «Vor der nächsten Währungsreform», das Popp gerne ins argumentative Feld führt.

Die «Deutschen Konservativen» werden von dem wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass vorbestraften Joachim Siegerist geleitet. Das hat Ramb jedoch nicht davon abgehalten, diese Gruppierung beim jüngsten Bürgerschaftswahlkampf 2007 in Bremen zu unterstützen. Dort hatte die Siegerist-Truppe unter dem Namen «Bremen muss leben» kandidiert. Und wäre ihr ein sehr viel besseres Abschneiden vergönnt gewesen, dann hätte Siegerist den ehemaligen Professor an der Universität Siegen zum Finanzsenator gemacht. Das wäre ein Senator gewesen, der jahrelang für eine vom Verfassungsschutz beobachtete Rechts-Postille tätig gewesen war: Von 1994 bis 2006 war Bernd-Thomas Ramb ständiger Mitarbeiter für den Wirtschaftsteil der «Jungen Freiheit».

Ein anderer «Zeuge» und Kontaktmann Popps hat noch ein ganz anderes Kaliber: Lyndon LaRouche jr. ist ein US-amerikanischer Multimillionär und politischer Rechtsaußen, der ein internationales Netzwerk aus Verlagen, Organisationen und Firmen unterhält. 1988 war er zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er Darlehen von Unterstützern nicht zurückgezahlt, Kreditkarten-Betrug begangen und Steuern hinterzogen. Mit diesem selbsternannten «Oppositionsführer aus den USA» traf Andreas Popp nach Berichten aus der rechtsextremistischen Presse im vergangenen Jahr am Rande einer «Expertenrunde» in Berlin zusammen.

Krebs-Arzt Rath in die «unseriöse Ecke getrieben»

Seinen Blick auf die Welt hat Andreas Popp auch in mehreren Büchern untermauert. Das erfolgreichste Buch heißt «Brot und Spiele - Schadlos durch die Wirtschaftskrise». In ihm finden sich Beiträge von Experten, die Popp als Mitglieder seines engeren Bekannten- und Freundeskreises bezeichnet. Für «Brot und Spiele» griff zum Beispiel Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, zur Tastatur - aber auch Kurt Tepperwein. Den stellt Popp in dem Buch als «Psychologie-Professor» vor. Doch 2005 wurde Tepperwein wegen des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen vom Amtsgericht Memmingen rechtskräftig verurteilt.

In seinem 2006 veröffentlichten Buch «Das Matrix-Syndrom» (Untertitel: «Die systematische Manipulation der Menschen durch die ,Macht») verteidigt Popp unter anderem den einstigen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann, der 2003 wegen antisemitischer Äußerungen aus Fraktion und Partei ausgeschlossen worden war. Er sei «sofort politisch geschlachtet» worden, beklagt der Autor. In «Das Matrix-Syndrom» ergreift Popp ebenfalls für Dr. Matthias Rath Partei. Rath macht als Erfinder der so genannten Zellular-Medizin von sich reden, in der er eine Alternative zur Aids- und Krebsbekämpfung erblickt. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt seit dem Krebstod des neunjährigen Dominik im November 2004 verstärkt vor den Machenschaften dieses Arztes: Dominiks Eltern hatten sich für die zellulärmedizinische Behandlung entschieden; danach wuchs der Krebs ungebremst weiter. Aus Popps Sicht wird Rath, im Juli 2006 wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz zu einer Geldstrafe von 33.000 Euro verurteilt, jedoch «immer wieder in eine unseriöse Ecke getrieben». Dabei könne er doch «offenbar hervorragende Krebsheilerfolge» erzielen.

Auch zu einem anderen heftig umstrittenen Mediziner schaut Andreas Popp in seinem Buch hoch, nämlich zu Dr. Ryke Geerd Hamer. Dieser Arzt - 1986 wurde ihm die Approbation entzogen - gelte als «entscheidender Entdecker einer völlig neuen Medizin», werde jedoch «schlicht platt gemacht und diffamiert». Der Gipfel sei erreicht worden, als man Hamer einfach inhaftiert habe.

Was Andreas Popp in seinem Buch allerdings ausspart, das ist der Name der von Ryke Geerd Hamer entwickelten angeblichen Heilmethode. Sie nennt sich «Germanische Neue Medizin» (GNN) und ist in rechtsextremistischen Kreisen der «letzte Schrei». Hamer behauptet, dass alle Juden die GNN praktizieren, während alle Nichtjuden gezwungen werden, sich von der alten Schulmedizin durch Chemotherapie umbringen zu lassen.

Mehrere Male wurde Hamer zu Haftstrafen verurteilt, zuletzt 2004 in Frankreich wegen Betruges und der Komplizenschaft bei der illegalen Ausübung einer medizinischen Tätigkeit. Laut Staatsanwaltschaft starben mehrere Menschen, nachdem sie dem Rat zweier Anhängerinnen des GNN-Entdeckers gefolgt waren.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hält die GNN für «bewiesenermaßen gefährlich». Sie sei weder wissenschaftlich noch empirisch belegbar: «Im Gegenteil, nach heutigem Erkenntnisstand ist die zugrunde liegende Grundhypothese widerlegt.»

Das Fazit von Popp mit Blick auf Rath, Hamer und ihresgleichen lautet unverdrossen: «Die Mächtigen haben offenbar eine große Angst vor gradlinigen Experten und Querdenkern, die wirklich die Lebenssituation auf der Erde verbessern wollen.»

Und was wollen diese «Mächtigen», von denen Andreas Popp fabuliert? Die Antwort: «In letzter Konsequenz läuft alles, aber auch wirklich alles auf eine ,Einweltregierung´ hinaus, in der nur ganz wenige die totale Macht über diesen Globus haben könnten.» Seit 1944 sei der US-Dollar die Weltwährung. Und weil sich die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve in der Hand einiger weniger privater Finanzdynastien befände, sei die Welt auf dem Weg in den Privatbesitz einiger Mächtiger.

Ausgewiesene Rechtsextremisten sprechen in diesem Zusammenhang gerne von der «US-Ostküste» oder dem «internationalen Finanzjudentum».

Popps Überzeugung: Um das Ziel der endgültigen Kontrolle erreichen zu können, müssten die Mächtigen «uns stromlinienförmig (zu) machen, damit wir steuerbar sind». Dazu gehöre auch ein unseriöser Umgang mit der deutschen Geschichte. Ihn prangert Andreas Popp an, wenn er schreibt: «Über unserem Land schwebt das Damoklesschwert des Nationalsozialismus und wer sich für die gesamte deutsche Geschichte interessiert, macht sich schon verdächtig und bekommt den Beigeschmack des Nazideutschen. Diese Konditionierung der deutschen Bevölkerung entzieht den Menschen die Wurzeln, die man zur eigenen Identität braucht.» An anderer Stelle des Buches «Das Matrix-Syndrom» notiert der Verfasser, dass das Wort «Jude» allein von keinem Deutschen «ohne mulmiges Gefühl auch nur ausgesprochen werden» dürfe - «eine klare Form der Konditionierung».

Bekenntnis zur «Kommissarischen Reichsregierung»

Die Deutschen seien in «Sippenhaftung» genommen worden, so Popp. In Deutschland sei Nationalstolz nicht erlaubt: «Das verbietet die von den Alliierten veranlasste Umerziehung, die gern von den demokratischen Kräften angenommen wurde. Einseitige Schuldzuweisungen für alles, was im Zweiten Weltkrieg passierte, werden komplett auf Deutschland projiziert.» Projiziert auf ein Deutschland, das nach Popps Ansicht nicht souverän ist («Pseudo-Demokratie») und dessen Staatsorgane keinerlei Bestimmungsrechte über die Bundesbürger haben. Das Deutsche Reich sei von den Alliierten annektiert worden und diese Beschlagnahme gelte bis heute. Folgerichtig lobt Andreas Popp in dem Buch «Das Matrix-Syndrom» die Arbeit einer «kommissarischen Reichsregierung», ohne zu verraten, an welcher der von Rechtsextremisten betriebenen «kommissarischen Reichsregierungen» sein eigentliches Herz hängt.

Auf jeden Fall ist ihm das Thema so wichtig, dass er im Juli 2006 gemeinsam mit Thomas Tischer auf dem Wirtschaftsforum «Umdenken» in Göttingen auftrat. Während sich Popp in seinem Vortrag mit der drohenden Weltwirtschaftskrise beschäftigte, führte der selbsternannte «Reichsinspektor» Tischer aus, es handele sich bei der Bundesrepublik Deutschland um ein illegales Gebilde, dem man sich unter anderem in der Funktion als Steuerzahler verweigern müsse.

Viel Lob für die Ausführungen von Popp und Tischer in Göttingen kann man zum Beispiel auf den Internetseiten der «Freien Stimme: Fernsehen Deutsches Reich» finden, hinter denen der Rechtsextremist Klaus Weichhaus steckt. Sein Resümee nach der Teilnahme an dem Wirtschaftsforum «Umdenken»: «Das Umdenken wird sich organisieren. Deutschland darf sich freuen.» Weichhaus hat immer wieder durch antisemitische und rechtsextremistische Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. Außerdem engagiert er sich für einen Verein, der verurteilte Holocaust-Leugner wie Ernst Zündel unterstützt. Dem Internetauftritt von Weichhaus zufolge gehörte zu den Teilnehmern der Veranstaltung in Göttingen auch Ernst Günther Kögel. Der frühere Berufsschullehrer und Holocaust-Leugner wurde im Juli 2006 vom Landgericht Wuppertal wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Seit 1967 führt Kögel die rechtsextremistische «Vereinigung Deutsche Nationalversammlung».

Der Mann, der anscheinend dem Holocaust-Leugner Kögel und anderen Teilnehmern eine spannende Veranstaltung beschert hatte, war der Finanzfachwirt Franz Eckhardt von der Firma «Finanzprofil» in Gieboldehausen bei Göttingen. Eckhardts Wege kreuzten sich nicht das erste Mal mit denen von Andreas Popp. Laut Vereinsregister Walsrode war er Gründungsmitglied und Vorsitzender der «Internationalen Föderation für Humanökonomie» mit Sitz in Walsrode. Mittlerweile amtiert Popp als Präsident dieses obskuren Zusammenschlusses; bei der Vereinsgründung war er zunächst 2. stellvertretender Vorsitzender geworden.

Dreh- und Angelpunkt der «Internationalen Föderation für Humanökonomie» sind mehrere Ressorts, die - ähnlich wie bei einer «klassischen» Regierung - von so genannten Senatoren geführt werden. Als solcher bezeichnet sich auch Andreas Popp. Die «Föderation» kennt Ressorts für Ethik/Gesellschaft/ Soziales/ Umweltschutz; Politik; Finanzsystem und Makroökonomie; Deutschland und Europa; Grundrecht/ Recht/Steuern und Wissenschaft.

Überschüsse aus den Mitgliedsbeiträgen sollen unter anderem dem Tierschutz bereit gestellt werden - ein spezielles Steckenpferd des eingefleischten Vegetariers Andreas Popp. Zum Thema «Tierschutz» gibt er in seinem Buch «Das Matrix-Syndrom» ebenfalls Erhellendes zum Besten: «Wenn der heutige Tierholocaust einmal in Gedenkstätten angeprangert werden sollte, in denen man eigentlich nur Werbungen der Fleischindustrie aufhängen müsste oder Fotos von Tierdeportationen, wie wir sie regelmäßig auf den heutigen Autobahnen antreffen, wird niemand sagen können, er hätte nichts gewusst.»

Eine Verharmlosung der Massenmorde und des Holocausts in der Nazi-Zeit will Popp in solchen Formulierungen nicht erkennen. Der Begriff «Holocaust», doziert er, bezeichne seit dem 16. Jahrhundert Verbrechen und Brandkatastrophen außergewöhnlicher Größenordnung: «Der tägliche Massenmord unserer Fleischindustrie wird dieser Begrifflichkeit in meinen Augen gerecht.» Und Popp ergänzt: «In welchem Land leben wir eigentlich, in dem ethische Grundfragen sofort in eine bestimmte Ecke gedrängt werden?»

Thomas Klaus

Valid XHTML 1.0!