: antifaschistische nachrichten
Mittenwald. Mehr als 300 Menschen beteiligten sich an den diesjährigen Protesten gegen das Gebirgsjägertreffen in Mittenwald. Polizeimaßnahmen behinderten schon die Anreise von DemonstrantInnen nach Mittenwald am 26./27. Mai. Reisebusse wurden auf der Autobahn abgefangen, die Personalien geprüft sowie mitgeführtes Gepäck untersucht. Opfer dieser Maßnahme war auch der «AK Angreifbare Traditionspflege NRW». Seine für den 26.5. geplante Kundgebung in Wolfratshausen, dem Wohnort des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, verzögerte sich um zwei Stunden. Die Forderung der Demonstranten war wie bereits im letzten Jahr: «Edmund Stoibers Austritt aus dem Kameradschaftskreis der Gebirgsjäger».
Am Samstag fand eine Veranstaltung als Gegenaktion zu der traditionellen Heldenehrung statt, auf der Zeitzeugen aus dem Widerstand gegen das Dritte Reich berichteten. Max Tzwangue aus Frankreich, Sohn polnischer Juden Jahrgang 1925, fand früh zur Resistance. Er berichtete über Flugblattaktionen sowie über Sabotageakte gegen Betriebe, die Rüstungsgüter produzierten. Der emeritierte Professor und slowenische Partisan Iwan Kristan, führte dezidiert in die Geschichte der Vertreibung und ihre Hintergründe ein. «Die Slowenen wurden als rassisch wertvoll, aber national unzuverlässig bewertet. Sie wurden nach Grobauslese und Feinprüfung auf rassische Nutzbarkeit selektiert.»
Der Münchner Ernst Grube von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten, forderte die klare Distanzierung der Bundeswehr von der blutigen Vergangenheit und Traditionspflege der Wehrmacht. Den Führungskader der Bundeswehr kritisierte er, weil auf der Gedenkfeier der Gebirgsjäger am Hohen Brendten auch Kriegsverbrecher geehrt werden. Für ihn ein Zeichen, dass sich am Umgang mit der Geschichte nichts geändert hat.
Die Bundeswehr allerdings wird sich von den Feierlichkeiten nicht zurückziehen, das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke (Fraktion Die Linke) hervor. Es sei «bekannt, dass auch Angehörige der Gebirgstruppen der Wehrmacht und der Waffen-SS an Massakern beteiligt waren», räumt die Bundesregierung ein. Es sei aber «nicht Aufgabe der Bundesregierung, die historische Aufarbeitung von Kriegsverbrechen durch einen eingetragenen Verein zu kommentieren.» Die Bundeswehr werde deshalb die Feier «personell und materiell» weiter unterstützen.
Bei der Feier der Gebirgsjägerkameradschaft am Hohem Brendten gelang es DemonstrantInnen sich trotz massiver Polizeipräsenz unter die Teilnehmer zu mischen. Im Polizeibericht heißt es dazu: «Während des Gottesdienstes am Ehrenmal wurden zwei Demonstranten aus München, 24 und 30 Jahre alt, in Gewahrsam genommen, da sie ein Transparent mit der Aufschrift: ,Mörder hinter Gitter, volle Reparationszahlungen für die deutschen Kriegsverbrechen in Griechenland deutlich sichtbar in die Höhe hielten.»
Solange diese Forderungen nicht erfüllt sind, werden die antifaschistischen Proteste gegen das braune Treiben auf dem Hohen Brendten weitergehen.
Quelle: Linkszeitung, 28.5.06, ND 29.5.06, PM Ulla Jelpke - u.b.