: antifaschistische nachrichten

Nummer 01 / 2006

Freunde des «blauen Bluts» mit nicht immer «feinem» Umgang

Monarchistischer Verein «Tradition und Leben» mit Rechts-Kontakten

Dass die Nationalsozialisten monarchistische Vereinigungen verboten und manche Widerstandskämpfer gegen das Naziregime einen adeligen Hintergrund hatten, «verkauft» der Verein «Tradition und Leben» (TuL) gerne als Argument für seine demokratische Standfestigkeit. Jedoch: Manche TuL-Kontakte sind aus Sicht von Rechtsextremismus-Rechercheuren durchaus bedenklich.

«Tradition und Leben», die einzige republikweit rührige monarchistische Vereinigung mit knapp 300 Angehörigen, geht auf den 1918 gegründeten «Bund der Aufrechten» zurück. Der brachte es in den dreißiger Jahren auf immerhin 100.000 Mitglieder. TuL wurde 1956 aus der «blaublütigen» Taufe gehoben, unter anderem mit Hilfe von Otto Schmidt-Hannover. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Reichstag war im April 1933 an diese Funktion gekommen: Sein Vorgänger hatte nämlich im Gegensatz zu ihm die Kooperation mit der NSDAP abgelehnt.

Kaiserkrone als «Symbol der Freiheit»

Nach den Vorstellungen von «Tradition und Leben» (Untertitel: «Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des monarchischen Gedankens») soll aus der Bundesrepublik eine parlamentarisch-demokratische Monarchie werden, in der das Amt des Bundespräsidenten gegen das des Deutschen Kaisers ausgetauscht wird - allerdings aufgewertet durch zusätzliche Autorität. Bejaht wird eine Erbmonarchie. Aus Vereinssicht ist der Thronanwärter der jeweilige Chef des Hauses Hohenzollern.

Einer der vermeintlichen Gründe für die Wiedereinführung der Monarchie laut Selbstdarstellung des Vereins: «In der Monarchie steht nicht nur der Mann als Staatsoberhaupt an der Spitze, sondern eine Familie. Damit wird sowohl ihre wie die Stellung der Frau aufgewertet.»

Zum Vereinssymbol proklamierte «Tradition und Leben» die Krone des Deutschen Kaiserreiches. Die Krone sei «das Sinnbild der Einheit und Freiheit unseres Vaterlandes. Sie ist das verpflichtende und versöhnende Symbol für das ganze Volk.» Auch ein zündendes Motto überlegte man sich, nämlich: «Wir setzen der Demokratie die Krone auf!» Kernelement der Öffentlichkeitsarbeit ist das zweimonatlich erscheinende Heft «Erbe und Auftrag».

Als aktueller Vorsitzender des Vereins, der seinen Sitz im niedersächsischen Lüneburg hat, fungiert Knut Wissenbach (Jahrgang 1966). Der hat auch schon für die stramm rechte Wochenzeitung «Junge Freiheit» zur Feder gegriffen. Umgekehrt wurden in «Erbe und Auftrag» Beiträge von Autoren abgedruckt, die ursprünglich aus der «Jungen Freiheit» stammten.

Unter den Anzeigenkunden von «Erbe und Auftrag» findet sich zum Beispiel der Regin-Verlag. Im Sortiment hat er unter anderem Bücher von Julius Evola, eines intellektuellen Wegbereiters des italienischen Faschismus, auf den sich in den achtziger Jahren die italienischen Rechtsterroristen von den «Bewaffneten revolutionären Zellen» beriefen.

Die Arbeit des Vorstands, der sich alle zwei Jahre Neuwahlen stellen muss, wird durch mehrere Arbeitskreise in unterschiedlichen Regionen der Bundesrepublik unterstützt. Der größte und engagierteste Arbeitskreis ist der in Berlin-Brandenburg. Wahrscheinlich kein Zufall ist es da, dass zwischen «Tradition und Leben» und der «Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg» Berührungspunkte vorhanden sind - beispielsweise in der Person des ehemaligen TuL-Vorsitzenden Professor Dr. Wolfgang Stribrny. Im Beirat der «Preußischen Gesellschaft»: Fürst Ferdinand von Bismarck, der Urenkel des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Der Fürst unterstützt die rechte Wochenzeitung «Junge Freiheit», referiert vor der vom Verfassungsschutz beäugten «Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft» (SWG) und steht als Schirmherr dem «Bismarckbund» zur Seite. Dem Bismarckbund können Kontakte zu rechtsextremistischen Kreisen nachgewiesen werden. Sogar militante Neonazis wurden schon mit dem «Bismarckorden» bedacht, der in Silber oder Gold ans Revers geheftet wird - oft von Fürst Ferdinand von Bismarck persönlich.

Folgt man der Selbstdarstellung des Vereins, dann geht die Gründung des «Preußeninstituts» letztlich auf ihn zurück. Auf der Jahrestagung 2002 des «Preußeninstituts» war Albrecht Jebens der Starredner. Das damalige Vorstandsmitglied der rechtsextremistischen, vom Verfassungsschutz observierten «Gesellschaft für freie Publizistik» (GfP) wurde als Geschäftsführer des erzkonservativen «Studienzentrums Weikersheim» bekannt. Eine Zusammenarbeit zwischen TuL und «Preußeninstitut» besteht nach wie vor; auch personelle Überschneidungen sind Fakt - so etwa in Form von Dr. Rolf Sauerzapf, der an TuL-Veranstaltungen teilnahm und zugleich im «Preußeninstitut» tätig ist. Der ehemalige Pfarrer beim Bundesgrenzschutz ist ein scharfer und aktiver Kritiker des «Linkskurses» in der Evangelischen Kirche. Er ist aber zum Beispiel auch für das «Hilfskomitee Südliches Afrika» (HSA) zu begeistern, das 1976 von dem einstigen NPD-Funktionär Peter Dehoust (Chefredakteur und Herausgeber des ultrarechten Strategieorgans «Nation Europa») mitbegründet wurde. Das HSA kämpfte jahrzehntelang für das Apartheid-Regime in Südafrika und somit für die Rassentrennung. Noch heute ist es präsent - als «Interessenvertreter» deutscher Siedler in Afrika. Von der Burschenschaft Thuringia in Braunschweig wurde Sauerzapf sogar als HSA-Vorsitzender bezeichnet, nachdem sie ihn für den Februar 2005 als einen der Referenten ihres 12. Braunschweiger Seminars aufgeboten hatte. Weitere Vortragende waren laut Vorankündigung der Burschenschaft der ehemalige «Republikaner»-Landesvorsitzende Professor Dr. Klaus Weinschenk aus Berlin und der Holocaust-Leugner Gerhoch Reisegger aus Österreich.

(Ja, es stimmt beispielsweise: Keine Gruppe ist auf der Totenliste des 20. Juli 1944 stärker vertreten als der preußische Adel. Es stimmt aber beispielsweise auch: Die «Deutsche Adelsgenossenschaft» als größter Adelsverband führte frühzeitig den «Arierparagraphen» ein. Und: Fast jeder fünfte SS-Obergruppenführer war adelig...)

Thomas Klaus

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