: antifaschistische nachrichten
In den Sommermonaten Juli und August geht «Nation & Europa», wie viele andere Zeitschriften auch, vom monatlichen Erscheinungsrhythmus ab und flattert den Leser(innen) als Doppelheft ins Haus. Darunter leidet zwar die Aktualität, was bei einem Monatsmagazin zu verschmerzen ist, zum Ausgleich ist aber Raum für ideologische Artikel. In diesen Doppelheften wird das häufig (und meist zu Unrecht) als rechtes Theorieorgan bezeichnete Blatt seinem Ruf hin und wieder gerecht. Die Aufgabe der ideologischen Aufrüstung übernimmt im vorliegenden Heft Dr. med. Holger Schleip mit «22 Thesen zum Rassismus».
Sinn der Ausarbeitung ist es, ein rassistisches Weltbild als exakte wissenschaftliche Beschreibung natürlicher Phänomene darzustellen. Rassismus ist nach dieser Auffassung also keine Ideologie, sondern eine dem Menschen eigene, bereits genetisch angelegte Verhaltensweise. Eine entsprechende Politik entspräche also der menschlichen Natur. Um eine solche Haltung, die nebenbei nicht unbedingt neu ist, erfolgreich begründen zu können, versucht der Autor zu Beginn aus der Sphäre der Ideologie wegzukommen und behauptet ausschließlich über Naturwissenschaft zu schreiben: «Deswegen definiere ich Rassismus ohne Vorverurteilung als den sich auf ,Rasse beziehenden ,ismus - als ein Fühlen, Denken und Handeln, bei dem Rasse (bzw. was darunter jeweils verstanden wird) eine zentrale oder zumindest wichtige Rolle einnimmt». Damit ist aus einem Begriff, der in der Öffentlichkeit zu Recht negativ besetzt wird, auf einmal eine weltanschaulich neutrale Bezeichnung geworden, über die nun in aller Ruhe gesprochen werden kann. Wir werden sehen, wohin diese scheinbare Entideologisierung führt.
Zuerst wird wieder wissenschaftliches Vokabular zur Definition benutzt: «,Rassen seien dabei (bewußt unscharf) definiert als Fortpflanzungsgemeinschaften (neudeutsch: Genpool), die in der biologischen Systematik zwischen... Familien und... Arten liegen und die zudem sich äußerlich erkennbar voneinander unterscheiden».... Unter Umgehung des Rasse-Begriffs läßt ,Rassismus sich auch definieren als ein biologischer ,Gruppis-mus... der sich auf eine Fortpflanzungsgemeinschaft bezieht...». Als Gruppismus führt Schleip dann auch den «Spezismus» ein, einen Begriff, den Tierrechtler für die Haltung geprägt haben, die an der Höherstellung der Menschen gegenüber den Tieren festhält. Deren Haltung wird in folgendem Satz deutlich: «...deswegen dürfen wir Menschen generell nicht töten, auch neugeborene und geistig Schwerstbehinderte nicht, wohl aber einen geistig höher entwickelten Schimpansen». Als weiterer Gruppismus wird außerdem der «Familismus», «jenes weit verbreitete Fühlen, Denken und Handeln, das Familienbande in den Mittelpunkt stellt» genannt. Wo alles eins ist, wird nichts mehr als verwerflich wahrgenommen.
Folgt der nächste Schritt: «Familismus, Rassismus und Spezismus sind analog strukturiert... Das Fremdeln des Kleinkindes (= Familismus), das sich an der Hautfarbe entzündende ,Ausländer-raus des heterosexuellen jungen Mannes (= Rassismus) und das ,Tiere-sind-keine-Menschen des schnitzelessenden Menschenrechtlers (= Spezismus) - all dies sind Formen eines abstammungsorientierten Distanzbedürfnisses, das sich verkürzt, aber durchaus berechtigt, ,Fremdenfeindlichkeit nennen läßt». Menschenfeindlicher Rassismus (Ausländer raus!) soll also wie Fremdeln eine entwicklungsbedingte, natürliche Haltung sein, die dem Menschen aus biologischen Gründen wesenseigen sei, eine nicht abzulehnende Erbschaft also: «Da Vielfalt durch Abgrenzung entsteht, liegt es nahe, daß unsere der Abgrenzung dienenden Anlagen zwar nicht so tief verankert sind wie zum Beispiel Hunger (der Selbsterhaltung dienend) oder Sexualität (der Arterhaltung dienend), aber eben doch ziemlich tief - vielleicht etwa so wie Eifersucht, Ehrgeiz oder Besitzstreben». Rassismus ist angeblich aber nicht nur natürlich und unabänderlich im Menschen angelegt, es soll auch gefährlich sein ihn zu bekämpfen: «Werden Menschen genötigt, wider ihre Natur zu leben, dann erhöht dies die Gefahr von Gewalttaten. Dies gilt insbesondere für ,abstoßende Fremdenfeindlichkeit. Kann Fremdenfeindlichkeit nicht zur Wahrung bzw. Wiederherstellung von Abstand führen, dann erhöht sich die Gefahr von Gewaltexzessen bis hin zum Völkermord». Damit wäre dann ja wohl auch die Ursache des Holocaust erklärt!
Da der Begriff aber trotz allem in den Augen der Menschen negativ besetzt bleibt, unterscheidet Schleip an dieser Stelle zwischen gutem und schlechtem Rassismus: «...es ist sinnvoll ihn begrifflich aufzuspalten in (offensiven) ,Ausbeutungs-Rassismus und (defensiven) ,Abgrenzungs-Rassismus. Ersterer ist ausgerichtet auf die Übervorteilung fremder Rassen. Er zeigte sich in krasser Form in der Versklavung von Menschen anderer Rassen und zeigt sich heute versteckt und in milderer Form in ungerechten Handelsbeziehungen zwischen ,weißen Industriestaaten und ,farbigen Agrarstaaten. Letzterer zielt auf die Schaffung bzw. Wahrung des Abstandes zwischen Rassen». Nach Auffassung des Autoren geht es in der Diskussion über die Einwanderungspolitik um eine Auseinandersetzung zwischen beiden genannten Formen. Eine liberale Einwanderungspolitik hole die Eliten der Emigrationsländer nach Europa, die dort dann fehlten - sei also «Ausbeutungs-Rassismus» und damit schlecht. Geschlossene Grenzen für Immigranten seien dagegen ein Fall von «Abgrenzungs-Rassismus» und damit natürlich und gut.
Bei dieser Pseudowissenschaft handelt es sich um nichts anderes, als um einen unwissenschaftlichen Rassismus der ganz normalen Art und Weise, bei dem es nicht wundert, dass er schließlich in folgendem Satz mündet: «Bei einer nationalen Revolution bzw. einem nationalen Sozialismus geht eine Nation einen neuen, noch unbekannten Weg, bei einer Weltrevolution und einem internationalen Sozialismus tut dies die ganze Menschheit». Sicherheitshalber scheint es dann doch besser zu sein, erstmal die erste Option zu versuchen.
Diese Art von «Wissenschaftlichkeit» unterscheidet sich letztlich nur wenig von der «Wissenschaftlichkeit» eines Dr. Josef Mengele in Auschwitz!
tri