: antifaschistische nachrichten

Nummer 19 / 2004

Rassismus aus dem Jenseits

Esoterik von Jozef Rulof auch auf dem deutschen Buchmarkt (gekürzte Fassung, Originalfassung: Skeptiker 2/2004, www.skeptiker.org)

Die Bücher des niederländischen «metaphysischen» Schriftstellers, Malers und Geistheilers Jozef Rulof (1898-1952) propagieren ein okkultes Christentum, angereichert mit antimodernen Motiven und rassistisch überformten Interpretationen der Begriffe Reinkarnation und Karma. ähnliche Vorstellungen sind Religionshistorikern von vielen okkultistischen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts bekannt. Aber Rulofs Gedanken erleben gerade in den letzten Jahren einen wahren Boom.

Jozef Rulof, geboren im niederländischen s-Heerenberg (nahe Emmerich), behauptete, er sei als Hellseher bei «astralen Reisen» (im Schlaftrance) zu seinen Erkenntnissen gelangt. Dabei habe sein Geist den Körper verlassen und Kontakt zu «spirituellen Meistern» gefunden. Die von diesen übermittelten Weisheiten legte der Autor in 27 Büchern dar. Für relativ kleine Länder sind die Leserzahlen beachtlich: 25 000 bis 30 000 Leser in den Niederlanden und 8 000 - 10 000 in flämisch Belgien. Hinzu kommen noch die Bibliotheken, die die Bücher einem breiten Publikum zur Verfügung stellen. In deutscher Sprache erschienen bisher 6 Bücher und weitere Übersetzungen sind geplant *). Ein Versuch von Rulofs Verlag Wayti aus Apeldoorn, Holland, die übersetzten Titel in der Stadtbibliothek Aachen unterzubringen, scheiterte, so eine Mitarbeiterin des Verlages mir gegenüber.

Dieser Verlag verlegt auschließlich Rulofs Werke. Ihre Produkte ordnet er in zwei Kategorien. Die erste wird für Einsteiger empfohlen. Sie trägt ISBN-Nummern, ist im Buchhandel erhältlich und gehört auch zum Bestand öffentlicher Bibliotheken.

Die zweite, viel umfassendere Kategorie der so genannten «Lehrbücher», ist nur für Fortgeschrittene vorgesehen. Diese Bücher tragen oft keine ISBN, sind nicht in Buchläden oder Bibliotheken zu finden und können nur direkt beim Wayti-Verlag bestellt werden. Dies rechtfertigt der Verlag damit, dass er die Einsteiger ins Thema vor Verwirrungen und Missverständnissen schützen wolle. Deshalb solle man die Bücher nur in der Reihenfolge lesen, welche von den «Meistern» diktiert wurde, andernfalls werde man den Zusammenhang nicht mehr erfassen.

Aber gerade die «Lehrbücher» enthalten die meisten kontroversen Texte, sind aber durch diese Veröffentlichungspolitik eher vor einer möglichen juristischen Verfolgung geschützt. Bereits in den Einsteiger-Bänden «Het ontstaan van het heelal»(dt.: «Der Ursprung des Weltalls» ) und «Zielsziekten van Gene Zijde Bezien»(dt.: Seelische Krankheiten aus dem Jenseits betrachtet), beide noch nicht in deutscher Übersetzung erschienen, lassen sich Grundzüge von Rulofs rechts-okkultischer Ideologie erkennen.

Übernatürlicher Schauder

In den «Lehrbüchern» zeigt sich schließlich das ganze Ausmaß seines Weltbildes. Demnach steht die Endphase der menschlichen Entwicklung unmittelbar bevor. In dieser ära werde es nur noch weiße, kerngesunde, verheiratete, heterosexuelle Menschen geben, ausgebildet im so genannten «Jahrhundert Christi», also Anhänger der rulofschen Lehre. Menschen anderer Hautfarbe bzw. Religion - besonders der jüdischen - lehnt Rulof ab. Durch die vielen verschiedenen Weltanschauungen entstünden Kriege und Konflikte, die einerseits als verabscheuungswürdig dargestellt werden, andererseits aber dazu dienen, die Menschheit auf eine höhere geistige Ebene zu bringen.

Andere Lebensstile wie z.B. die Homosexualität werden ebenfalls abgelehnt. Zugesprochen wird ihnen allenfalls eine gewisse karmische Rolle: Sie seien, ähnlich wie Krankheiten, Resultat von Verfehlungen in früheren Leben. ähnliches gelte auch für Menschen mit Down-Syndrom. Sie haben Rulof zufolge in früheren Inkarnationen eine verzerrte Entwicklung durchlaufen. Dabei hätten sich Dämonen ausgelebt, ja, sie seien sogar Massenmörder gewesen und deshalb in einem späteren Leben mit «mongoloiden» Gesichtszügen auf die Welt gekommen.

Darüber hinaus vertritt Rulof eine Rassenlehre mit siebenstufiger Hierarchie, deren Stufen jeder Mensch per Reinkarnation einzeln durchlaufen muss. Zu den drei niedrigsten Graden gehören «Eingeborene» und «Zwergvölker» wie die Pygmäen. Erst im vierten Grad sind neben Farbigen auch Weiße vertreten, den fünften Grad aber erreichen Farbige bereits nicht mehr. Der siebte und höchste Grad bleibt ausschließlich Weißen und einigen asiatischen Völkern vorbehalten. Wenn Weiße ihr Leben jedoch nicht im Sinne der Lehre gestalten, können sie in ihrer nächsten Reinkarnation karmisch in den vierten Grad zurückversetzt werden, um dann wieder dunkelhäutig geboren zu werden.

Besonders negativ wirkt sich nach Rulofs Ansicht die Vermischung verschiedener Grade, also die Rassenvermischung, aus. Denn auf diese Weise entstehe «unreines Blut», die Ursache aller Erkrankungen und allen Verfalls auf Erden. Diese Entwicklung könne zum Bedauern der «Meister» nicht mehr rückgängig gemacht werden, die Folgen ließen sich jedoch eindämmen. Deshalb werde es Kranken in Zukunft verboten zu heiraten, damit sie nicht länger Nachkommen zeugen. Ehescheidungen sollen in Zukunft vermieden werden, da der Staat obligatorisch die geeigneten Ehepartner auswählen werde, wobei Irrtümer ausgeschlossen seien. Dringend abgeraten wird von Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe, Suizid, Brandbestattung, Organspende und Bluttransfusion. Auch manche dieser Handlungen ließen «unreines Blut» entstehen - ebenfalls mit verhängnisvollen Wirkungen. Der niederländische Reinkarnationstherapeut Jan Kleyn schrieb, er sei in seiner Praxis Menschen begegnet, die nach der Lektüre solcher Passagen bei Rulof entsprechende Angstvorstellungen entwickelt hätten (Kleyn 1997).

Die Homosexualität wird von Rulof in scharfen Worten kritisiert. Sie sei eine Seelenkrankheit, und die Höllen verdankten ihre Existenz u.a. den Homosexuellen und Kindesmördern. Die Emanzipation der Frau wird in oft zynischen Worten abgelehnt, da die Frau, ihrem Gatten untergeben, sich an erster Stelle der Mutterrolle widmen solle. Deshalb könnten Frauen auch nie große Künstler werden.

In dem Buch «De Volkeren der Aarde» (dt.: Die Völker der Erde) wird die Endphase dieser Entwicklung folgendermaßen zusammengefasst: «Abnormalitäten sieht man auf der Erde nicht mehr» (S. 344). Dort rät Rulof den Juden auch, Adolf Hitler für den Holocaust dankbar zu sein, weil er ihnen die Möglichkeit gegeben habe, ihr schlechtes Karma wegen der Kreuzigung Christi einzulösen. Hitler ist für Rulof die Reinkarnation des Hohepriesters Caifas, der Christi Kreuzigung angeordnet habe (S. 155, 159). In seinen nächsten Wiederverkörperungen habe Caifas seine eigenen Fehler, aber auch «das schlimme Treiben der Juden» (S. 153) eingesehen, sei darauf als Adolf Hitler wiedergeboren und beschloss Rache an den Juden. Der Holocaust wird damit durch angebliche Karmagesetze gerechtfertigt. In einer Fortsetzung fordert Rulof Hitler sogar auf: «Adolf, vollende Deine Aufgabe!» (De Kosmologie, Band 3, S. 12,153). In einem weiteren Buch wird die Gründung des Staates Israel kritisiert: «Die Juden haben den Volltreffer Gottes [den Holocaust, H. N.] immer noch nicht verstanden» (Vraag en antwoord, Band 1, S. 199).

Hitlers Rolle wird von Rulof noch erweitert, weil er eine für die ganze Menschheit nutzbringende «Evolution» in Gang gesetzt habe. Zwar müsse er zunächst in der Hölle schmachten, bis die Menschheit die Bedeutung dieser Evolution erfasst hat, danach aber werde er rehabilitiert. Dann wird man zum Dank Hitlers Grab mit Blumen schmücken. Auch Kollege Mussolini wird gepriesen - wegen der Eroberung Abessiniens. Denn diese war «Gottes notwendiger Wille, denn auch die Negerlein sollten erwachen» (De Volkeren der Aarde, S. 128; De Kosmologie, Band 1, S. 14).

Rulofs Vermächtnis umfasst insgesamt 27 Bücher. Etwa 17 davon sind von einer stark rassistischen, antisemitischen oder für andere Bevölkerungsgruppen kränkenden Prägung. Die Bibel wird von den Rulofianern größtenteils als Fälschung betrachtet, ausgenommen Joh. 16: 12-15. Ihrer Ansicht nach kündigt diese Passage das fast 2000 Jahre spätere Auftreten Jozef Rulofs als schreibender Prophet an. Spätestens in den nächsten Jahrzehnten wird auch die Bestätigung seiner Aussagen aus dem Jenseits erwartet. Denn 1952 prophezeite Rulof, dass in etwa 75 Jahren ein Apparat für direkten Sprechfunk in die andere Welt erfunden wird. Über dieses Instrument dürften jedoch nur die jeweiligen Regierungen verfügen.

Psychologen nennen eine Persönlichkeit, wie sie sich in Rulofs Schriften zeigt, «fantasy prone», also anfällig für Phantasien. Man könnte Bücher wie die von Jozef Rulof darüber hinaus als Zeitdokumente auffassen, als Fantasieprodukte eines wenig begabten Schriftstellers, angeregt durch antimodernistische, kolonialistische Ideen, wie sie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verbreitet waren. Da sie jedoch als Ursprung einer aktiven «höheren Intelligenz objektive Aussagekraft beanspruchen, müssen ihre rassistischen und reaktionären Inhalte sehr ernst genommen werden. Und sie finden gerade heute ein breites Publikum.

Die Geistheilerin Jomanda

Die bekannte und umstrittene Geistheilerin Jomanda (bürgerlicher Name: Joke Damman) ist ein wahrer Fan Jozef Rulofs. Sie war mit ihrem Heilungsprogramm auch in Nordrhein-Westfalen unterwegs und trat unter anderem in Düsseldorf und Köln auf. In den Jahren 1996 bis 2001 strömten Besucher mit körperlichen und psychischen Beschwerden massenhaft in eine Riesenhalle im holländischen Städtchen Tiel. Sie hofften, bei Jomandas «Healing-Service-Sitzungen» Linderung zu finden. Bei den Besuchern trat die erhoffte Besserung nur selten ein, und sie blieb jeweils eine vorübergehende Erscheinung, was reguläre ärzte und Skeptiker mit dem Placebo-Effekt erklärten. Die Geistheilerin beharrte indes darauf, dass sie sehr vielen Menschen Heilung gebracht hätte.

Die Massen blieben ihr einstweilen treu, bis sie dem bekannten holländischen TV- und Kabarettstar Sylvia Millecam eine fatale Fehldiagnose stellte. Die beliebte Schauspielerin war an Brustkrebs erkrankt, wollte sich jedoch nur von «alternativen» Heilern behandeln lassen. Jomanda prophezeite ihr, die Künstlerin leide gar nicht an Krebs, sondern nur an einer Entzündung. Zwar stellten ärzte der Patientin danach die richtige Diagnose. Dennoch begab sie sich nicht in deren Hände, sondern setzte die «alternative» Behandlung fort - bis zu ihrem qualvollen Tod im August 2001. Eine rechtzeitige reguläre Behandlung hätte sie retten können. Im vergangenen Februar veröffentlichte das Gesundheitsministerium nach ausführlicher Untersuchung einen über 100-seitigen verheerenden Bericht. Darin wird Jomanda der Kurpfuscherei und fahrlässigen Tötung im Fall Sylvia Millecam beschuldigt. Der Fall wurde inzwischen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Seitdem stehen nur die treuesten Fans noch auf Jomandas Seite, in der breiten Öffentlichkeit gilt sie jedoch als unzuverlässig.

Im Jahr 2001 wechselte sie ihren Wirkungsort und zog in ein ehemaliges Kloster im südholländischen Valkenburg, nahe der deutschen Grenze (Raum Aachen), das sie umbauen ließ zu einem «Healing-Centre».

Von 1996 bis 2001 war Jomanda wöchentlich bei einem privaten Rundfunksender zu hören (mindestens 90 000 Hörer pro Sendung), um Leserbriefe und telefonische Fragen zu beantworten. In diesen Sendungen pries sie auch regelmäßig die Werke Rulofs an. Ihren Hörern riet sie im September 1998, täglich nur eine Buchseite dieses «schwierigen, aber überaus wichtigen Stoffs» zu studieren. Nur auf diese Weise könne man die wahre Essenz der Bücher erfassen.

Ihr Tipp zeigte Wirkung: Die Bücher waren in den Bibliotheken fortwährend ausgeliehen und der Verlag brachte laufend neue Auflagen auf den Markt. Weil die Geistheilerin starken Einfluss auf ihre Anhänger ausübte, versuchten Beratungsstellen zur Bekämpfung von Rassismus mehrmals, sie wenigstens zur Unterlassung dieser öffentlichen Anpreisungen zu bewegen - jedoch vergeblich. Jomanda gab zurück, dass «Ein Blick ins Jenseits» die einzig richtige Wahrheit beschreibe und Kritik daran ein Symptom geistiger Armut sei. Gleichzeitig ließ sie sich jedoch mit weiteren Prominenten für ein antirassistisches Poster fotografieren. Der Landesberatungsstelle gegen Rassimus enthüllte sie schließlich, dass sie umstrittene Titel wie «De Volkeren der Aarde» oder «Het ontstaan van het heelal» noch gar nicht gelesen habe. Sie besäße überhaupt nur ein einziges Buch von Rulof, «Ein Blick ins Jenseits». Empfahl sie also in ihren Sendungen Bücher, die sie selbst gar nicht kannte? Wie auch immer, Jomanda unterließ ihre Werbung auch trotz des kritischen Medienechos nicht.

In politischer Hinsicht ist Jomanda ganz klar: Erst schwärmte sie für Pim Fortuyn, einem Politiker der sehr rechten Seite, der voriges Jahr bei einem Attentat ums Leben kam. Danach kooperierte sie mit Emile Ratelband, einem auch in Deutschland bekannten Guru des «positiven Denkens». In den Niederlanden tritt Ratelband vor allem als Politiker auf, wobei er mit seiner eigenen Partei, der Lijst Ratelband, antifeministische, homophobe und fremdenfeindliche Positionen besetzt. Bei den letzten Landeswahlen erreichte die Partei jedoch zu wenig Stimmen für einen Sitz im Parlament.

Ein weiterer Propagandist der Werke Rulofs ist die niederländische New-Age Zeitschrift Religie & Mystiek (dt.: Religion und Mystik). Diese Zeitschrift hat bereits seit längerem die Aufmerksamkeit der Antifa-Presse geweckt, weil dort eine Bühne geboten wird für zwielichtige und rassistische Autoren, die ihre Artikel verfassen im Stil des Wolfs im Schafpelz.

Expansion und Vertuschung

Die ständig wachsenden Leserzahlen ließen den Wayti-Verlag expandieren. Das Wort Rulofs sollte in der Welt verbreitet werden. Es wurde nicht nur an Übersetzungen ins Englische, Deutsche und Französische gearbeitet, sondern auch an polnischen, russischen, serbokroatischen und portugiesischen Ausgaben. Auf verschiedenen Kontinenten errichtete man Stützpunkte für den Verkauf. Ein Film über Jozef Rulofs Leben mit dem Titel «Geisteswissenschaft» soll Ende dieses Jahres auf DVD erscheinen. Ob der Film auch Fernsehsendern zur Ausstrahlung angeboten wird, ist noch nicht klar. Ein weiteres Projekt umfasst die Herausgabe von Kinderbüchern. Auf diese Weise soll das Gedankenguts Rulofs schon Kindern ab vier Jahren vermittelt werden. Der erste Titel war für diesen Winter vorgesehen. Aber wie soll man den Kleinen Texte erklären wie z. B. folgenden? «Im Reich der Dämmerung (nach Rulof eine Sphäre im Jenseits, H.N.) lernt man das wahre Innenleben der irdischen Juden kennen. Diese Lebensarten haben jeden geistigen Wert verloren, so weit trieben sie es mit ihrem Geschacher, so schlimm haben die Juden sich ausgelebt. Noch immer triefen sie vom Blut Christi, noch immer stinken sie von den Ungerechtigkeiten die sie unter sich angerichtet haben» (De Volkeren der Aarde, S.215f.).

Andererseits sind bereits vor einigen Jahren fünf Rulof-Bücher in «modernisierten» Ausgaben erschienen. Darin war jeglicher Hinweis auf rassistisches und anderweitig Anstoß erregendes Gedankengut getilgt, ein «gesäuberter» Rulof also. Von den änderungen wurde indes keine Silbe im Vorwort erwähnt, sodass die Leser - besonders die Einsteiger - nichts von Rulofs wahrem ideologischen Hintergrund erfuhren. Bei überzeugten Rulofianern stieß dieses Projekt jedoch auf großen Widerstand, woraufhin der Verlag das Vorhaben schließlich stoppte. Die modernisierten Fassungen findet man hin und wieder noch in den Bibliotheken. Neuerdings versucht der Verlag auf seiner Website (www.wayti.com) die rassistische Prägung einiger Bücher mit verwirrenden Erklärungen zu verharmlosen.

Im Internet gibt es verschiedene rulofianische Chat-Sites. Kritisch lässt sich dort kaum diskutieren, wie ich erfahren musste, denn Kritik wird ignoriert oder abgelehnt und bei scharfer Kritik wird mit drohenden Buchzitaten geantwortet. In seiner Autobiographie mit dem Titel «Jeus van moeder Crisje» (ost-niederl. Dialekt) prophezeit Rulof seinen Kritikern nach ihrem Tod ein qualvolles Dasein. Eine Strategie der Anhänger besteht darin, durch großzügige Interpretation den Inhalt von Rulofs Büchern zu verharmlosen. Aber bei solchen Diskussionen kommt immer wieder antisemitisches Gedankengut zutage: Die Juden hätten sich bei Christi Kreuzigung am Höchsten schlechthin vergriffen, also sei es nicht erstaunlich dass sie später ein schlechtes Karma auf sich geladen hätten. Dass in die Kreuzigung vielleicht nur einige Hundert verwickelt waren - die noch dazu nicht die juristische Gewalt in der römisch besetzten Provinz innehatten - während der Shoa aber über sechs Millionen Juden zum Opfer fielen, kümmert die Rulofianer kaum. Auf Unverständnis stoßen die Bücher nach Ansicht der Chatter nur deshalb, weil sie ihrer Zeit Hunderte von Jahren voraus seien. Da haben die höheren «Meister» sich wohl verrechnet. Als religiöse Bewegung im herkömmlichen Sinne kann man die Rulofianer sicher nicht bezeichnen, doch sie bilden ein Netzwerk mit Rulofs Büchern als Mittelpunkt.

Veranstalter sagen ab, Übersetzer kündigen

Aber auch die Justiz und die kritische Öffentlichkeit sind inzwischen auf Rulofs Schriften aufmerksam geworden. So veröffentlichte ein Mitglied der inzwischen verbotenen niederländischen rechtsextremen Partei CP 86 vor einigen Jahren eine rassistische Broschüre, basierend auf dem Buch «De Volkeren der Aarde» und verteilte sie in zwei Wohnvierteln Rotterdams. Daraufhin wurde er zu einer Geldstrafe von 2 000 Gulden verurteilt. Das Buch selbst wurde auf Betreiben einer Stiftung zur Bekämpfung des Antisemitismus bereits in den 1980-er Jahren aus dem Buchhandel entfernt, nachdem man dem Verlag ein juristisches Verfahren angedroht hatte. Dennoch ist das Buch beim Verlag selbst bis heute erhältlich.

Auch kritische Medien zeigten in den letzten Jahren Interesse am Vermächtnis des umstrittenen «Metaphysikers». Im November 2002 veröffentlichte die seriöse überregionale Tageszeitung Trouw einen ausführlichen Bericht über seinen ideologischen Hintergrund. Darauf wurde der Jounalist des Artikels vom Verlag gebeten einige Arbeitsstunden zu opfern, damit man ihm die wahre Bedeutung der Lehre erklären könne. Er weigerte sich mit der Begründung, dass Wayti auf so genannten New-Age-Märkten den ahnungslosen Besuchern diese Bedeutung in einer viel kürzeren Zeitspanne erläuterte.

Inzwischen stößt Wayti auch bei Geschäftspartnern auf Widerstand: Wie inoffiziell zu erfahren war, haben mehrere freie Übersetzer die Arbeit für den Verlag abgelehnt, als sie bei dabei auf die vielen kontroversen Texte stießen. In jüngster Zeit distanzierten sich die meisten Veranstalter von Esoterik-Märkten von dem Verlag und kündigten den Vertrag.

Auch in Belgien wurden bereits rechtliche Schritte unternommen. Als Ergebnis eines juristischen Schnellverfahrens der belgischen landesweiten Beratungsstelle «Zentrum für Chancengleichheit und Rassismusbekämpfung», verfügte das städtische Gericht der Stadt Antwerpen am 15.5.2003, dass die meisten Bücher Rulofs auf einem Esoterikmarkt im Antwerpener Vorort Berchem am 18.5.2003 weder ausgestellt noch verkauft werden durften. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Lehre, die Jozef Rulof in seinen Büchern darlegt, für gewisse Menschengruppen wegen ihrer Rasse, ihrer Religion oder Weltanschauung beleidigend oder kränkend sei. Wayti sagte darauf alle weiteren Termine für die belgischen Esoterik-Märkte ab und legte Berufung ein. Inzwischen wurde jedoch eine strafrechtliche Untersuchung bei einem höheren belgischen Gericht beantragt. In den Niederlanden wäre ein ähnliches Verfahren wohl nicht erfolgreich, da auch äußerungen wie die Rulofs vom grundgesetzlich garantierten Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt werden.

Mitte Mai 2003 wollte sich das Unternehmen mit einem Bücherstand auf einem der größten Esoterik-Märkte in Den Haag präsentieren. Der Veranstalter verweigerte Wayti jedoch den Zutritt mit der Begründung, er wolle in Zukunft nichts mehr mit dem Verlag zu tun haben. Die niederländische Tageszeitung Trouw titelte am nächsten Tag: «Dem rassistischen Hellseher Jozef Rulof bleibt kein einziges Schaufenster mehr».

Herman Nimis

Literatur: Dros, L (2002).: Rulofianen: De herontdekking van een antisemiet.[dt.: Die Wiederentdeckung eines Antisemiten) In: Trouw, 15.11.2002

Jan Kleyn, J: (1997): Geesten, leiders en engelen (dt.: Geister, Führer und Engel)

Oosthoek, X (1999): Jomanda»s racistische goeroe.(dt.: Der rassistische Guru Jomandas) In: Skepter 12/4

Rulof, J. (1999) De Kosmologie van Jozef Rulof, Band 1 und 3, 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn

Rulof, J.( 1999): Het ontstaan van het heelal (dt.: Der Urspung des Weltalls). 6. Auflage, Wayti, Apeldoorn

Rulof, J. (1984): Een blik in het Hiernamaals, 8. Auflage, (dt.: Ein Blick ins Jenseits),Wayti, Apeldoorn

Rulof, J .(1984): De Volkeren der Aarde(dt. :Die Völker der Erde) 4. Auflage, Wayti, Apeldoorn

Rulof, J. (1986): Vraag en antwoord, deel 1. (dt.: Frage und Antwort , Band 1) 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn

Rulof. J. (1999): Vraag en antwoord, deel 2 (dt.: Frage und Antwort, Band 2), 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn.

Artikel über Geldstrafe für Mitglied der Partei CP 86 in Rotterdam(1997): In Skepter, Dez. 1999.

*) In deutscher Sprache erschienen bisher: Rulof, J. (2000 - 2001): Ein Blick ins Jenseits, Band 1, 2 und 3. 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn. Rulof, J. (2001): Die vom Tode wiederkehrten. 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn. Rulof, J. (2003): Der Kreislauf der Seele, 1. Auf-lage, Wayti, Apeldoorn. Rulof, J. (2001): Durch die Grebbe-Linie ins ewige Leben. 1. Auflage, Wayti, Apeldoorn

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