: antifaschistische nachrichten

Nummer 08 / 2003

Geschichtspolitik

Unterschiedliche Entwicklungen in der Geschichtspolitik behandelt der kürzlich unter dem Titel «Erinnern Verdrängen Vergessen» erschienene erste Band einer vom «Netzwerk für politische Bildung, Kultur und Kommunikation» herausgegebenen Schriftenreihe.

Die Autoren befassen sich mit wesentlichen Debatten der vergangenen Jahre und arbeiten zentrale Momente klar heraus. So etwa die Privatisierung von Geschichte: Historische Ereignisse werden aus ihren strukturellen Zusammenhängen gelöst und auf persönliches Erleben reduziert; oder die Entkonkretisierung des Geschehenen: Vergangene Verbrechen werden abstrakt moralisch bewertet, die Erinnerung an ihre konkrete Gestalt aber zugleich verdrängt.

Die Folgen dieser und anderer Entwicklungen weisen die Autoren an verschiedenen Beispielen nach. Anhand der Debatten um die Wehrmachtsausstellung zeigt Michael Klundt, «wie sich die Absage an die Vergangenheit mit einer Heiligsprechung» der Gegenwart verbinden lässt». Gerd Wiegel warnt im Zusammenhang mit der Universalisierung der NS-Erinnerung vor einer «Reduktion der [aktuellen] politischen Konflikte auf ein Spiegelbild der deutschen Vergangenheit».

Marc Schwietring und Samuel Salzborn belegen mit einer Analyse der Auseinandersetzungen um Martin Walser und Jürgen Möllemann ihre Befürchtung, der «mühsam erarbeitete anti-antisemitische Konsens in der Öffentlichkeit» werde brechen.

Beiträge über den Wandel der NS-Gedenkstätten unter dem Druck der sich ausbreitenden Totalitarismustheorie (Marc Schwietring) und über den deutschen Opferkult (Samuel Salzborn) runden den Band ab.

Michael Klundt, Samuel Salzborn, Marc Schwietring, Gerd Wiegel: Erinnern Verdrängen Vergessen. Geschichtspolitische Wege ins 21. Jahrhundert. Schriften zur politischen Bildung, Kultur und Kommunikation Band 1 (www.nbkk.de), Gießen 2003

Jörg Kronauer

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